Johann Graweid, Wagner und Dünkelelbohrer

TeuchelbohrerDünkelbohrer und Wagner sind zwei Berufe, die heute vielen Menschen unbekannt sind. Bis zu Beginn der 80er-Jahre übte im Langnauer Ausserdorf aber Johann Graweid diese beiden bereits im Mittelalter bekannten Handwerke aus.
Der älteren Langnauer Generation ist der im Jahre 1900 geborene «Graweid-Wagner» noch bestens bekannt. Er hatte sich nach Absolvierung der Schulzeit für denselben Beruf entschieden, den schon sein Vater und Grossvater ausgeübt hatten. In der Werkstatt stellte er anfänglich mit dem Teuchelbohrer einem Korkenzieher ähnlichen Instrument bis zu vier Metern Länge hölzerne Wasserleitungen her. Dabei wurden Tannenstücke inwendig ausgehöhlt, die danach im Boden als Wasserleitungen verlegt wurden. Zu jener Zeit wurden aus Holz auch Sod- und Jauchepumpen hergestellt. Doch die fortschreitende Entwicklung verdrängte diese Tätigkeiten. Zunächst konnte Graweid seinen Lebensunterhalt noch mit der Herstellung und Reparatur von Wagen und Wagenteilen sowie Leitern bestreiten. Dann, in der letzten Phase seines Erwerbslebens, musste er sich mit kleineren Schreinerarbeiten beschäftigen.

Dünkel

Es ist anzunehmen, dass vor der Erstellung regiona­ler gemeindeeigener Wasserversorgungen jede Hof­statt ihren laufenden Brunnen vor dem Hause hatte, gespeist aus eigener oder nachbarlich-gemeinsamer Quelle. Von der Quellfassung aus wurde das Wasser in hölzernen Röhren vorerst zu einem in günstiger Nähe der berechtigten Hofstätten gelegenen Verteil­kasten, dem «Teilstock», und erst von hier aus den einzelnen Hofstätten zugeleitet. Diese hölzernen Leitungsrohre, die «Dünkel» oder «Teuchel», be­standen aus 3-4 m langen Stücken von jungen, schlanken, gerade gewachsenen Stämmen der Weiß­tanne mit einem Durchmesser von 12 bis 18 cm und. einer Bohrung von 4 bis 5 cm Lichtweite. Die ein­zelnen ausgebohrten Rohrstücke wurden ineinan­dergeschoben, indem man das eine Ende zuspitzte und in die konisch erweiterte Bohrung des nächst­folgenden Stückes hineinsteckte. Für das Zusam­menfügen verwendete man später Metallhülsen, auch «Dünkelzwingen» genannt. Eine solche Leitung, der sogenannte «Strom», konnte von der Fassung bis zum Teilstock mehrere hundert Meter messen und viele Dutzende von Dünkeln er­fordern. In den Talsohlen, wo keine Quellen zur Ver­fügung standen, förderte man mit abgeteuften höl­zernen Pumpen Grundwasser direkt in den Brunnen­trog. Diese Einrichtung nannte man «Sod». Der Brunnenmacher, auch «Sodmacher» oder «Dünkelmacher» genannt, der die hölzernen Leitungsrohre und Brunnenstöcke ausbohrte, war ein geschätzter Störhandwerker, den man für Neuanlagen oder Ausbesserungen auf den Hof kommen liess.

Schematische Darstellung von Dünkelverbindungen.
Links: Kegelförmige ineinandergesteckt.
Rechts: Mit eisernen Zwingen zusammengestossen.

Schöpfpumpe aus einem Dünkelrohr Anton Bussmann, Gettnau. Foto Hans Marti.